Arbeitslos, Obdachlos, Herzlos

Ich weiß nicht, ob überhaupt noch irgendjemand meinen Blog liest, immerhin war ja ein Großteil der Leserschaft an meinen Reisen interessiert. Und meine größte Reise in den letzten Wochen war eine Fahrt mit der U1 in den 5. Wiener Gemeindebezirk. Letztendlich macht mir die Schreiberei Spaß und deshalb möchte ich den Blog auch gerne in meinem angehenden Hamsterrad-Leben weiterführen. Wobei die Metapher auch wieder Auslegungssache ist, denn ich behaupte, dass ein Hamster auch beim Radlaufen Spaß hat.
Und wie ich schon immer gesagt habe: wenn nur ein Mensch Freude an meinem Geschreibsel hat, dann hat der Blog seinen Zweck erfüllt.

 

Arbeitslos

Bereits am Tag meiner Rückkehr nach Österreich, welche übrigens heute vor drei Wochen war, habe ich mich für die ersten Jobs beworben. Schon in den Vereinigten Staaten begann meine Recherche und somit war ich dementsprechend gut vorbereitet. Die Frage war, bzw. nach derzeitigem stand… die Frage ist, was will ich überhaupt machen? Beworben habe ich mich erstmal überall, bei allem was irgendwie interessant klang. Etliche Ablehnungen später, habe ich eingesehen, dass meine Qualifikation zum leitenden Geschäftsführer eines multinationalen Konzerns vermutlich doch nicht ausreicht.

Was mich lange beschäftigt hat: Will ich zurück zu meinem alten Job? KANN ich überhaupt zurück zu meinem alten Job? Und plötzlich hatte ich es dann nicht mehr so eilig mich überall zu bewerben. Eigentlich war mein Arbeitsplatz ja nicht schlecht. Natürlich jammert man ab und zu über seinen Job. Aber das wohl nur wienerisch. Bin zwar kein Wiener, aber das Jammer ist eine Eigenschaft, mit der ich mich sehr gut identifizieren kann 🙂 Wobei… NOCH kein Wiener… aber eins nach dem anderen. 

Jedenfalls fände ich es gar nicht so schlecht wieder vollständig in mein altes Leben einzutauchen. Bevor ich meine Reise antrat, fand ich mein Leben scheiße. Aber es hat sich herausgestellt… meine Einstellung zum Leben war scheiße! Das Leben scheiße finden, ist eine zugespitzte Überdramatisierung, klar. Wenn man sich jeden Tag selbst alles schlecht redet, dann kommt halt sowas dabei raus.
Auf den Trails hatte ich genug Zeit um über wirklich alles nachzudenken, unter anderem auch über meine Einstellung zu den Dingen. Nach und nach begann ich sogar meine Tagesroutine zu vermissen. Erst wenn man etwas nicht mehr hat, weiß man wie sehr es einem fehlen kann.

 

Obdachlos

Es hat sich herausgestellt… eine Wohnung zu finden ist gar nicht mal so einfach. Also eigentlich bezieht sich das auf Mietwohnungen. Überall ist eine Vorlage von 3 Gehaltszettel gefordert… welche ich natürlich nicht vorweisen kann. Noch nicht.
Dank meiner unantastbaren finanziellen Rücklage für Wohnraum, bin ich zumindest für diese Angelegenheit halbwegs flüssig und kann vorweisen, dass ich kein Mietnomade bin. Dachte ich zumindest. Völlig egal was ich anbiete, Mietvorauszahlung für fast 1,5 Jahre (Abdeckung der Mindestmietdauer), Erhöhung der Kaution, ja sogar mein Vater würde sich als Bürge zur Verfügung stellen (danke nochmal für alles Papa!), aber es will einfach nicht. Zumindest nicht bei den Wohnungen, die ich will. Irgendwelche kerkerähnlichen Gebilde hätte ich schon bekommen können. Ich habe mir aber vorgenommen nicht die erstbeste Wohnung zu nehmen, sondern etwas, das nicht nur ein Platz zum Schlafen, sondern ein richtiges zuhause ist. 
Leider bekomme ich ums Verrecken keine der Wohnungen, die mir besonders gut gefallen. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf und habe weiterhin mehrere Besichtigungstermine pro Woche.

So richtig obdachlos bin ich ja zum Glück nicht. Im Gegenteil. Innerhalb der elterlichen 4 Wände wird sich rührend um mich gekümmert. Bekocht zu werden ist ein unübersehbarer Vorteil. Daran könnte ich mich gewöhnen 😀
Trotzdem will ich den Seniors nicht zu lange zur Last fallen und gebe mir deshalb bei der Wohnungssuche große Mühe. Entgegen meiner persönlichen Überzeugung schaue ich mich mittlerweile sogar in Wien um. Und musste feststellen… sooooooo schlimm ists ja gar nicht 😉

 

Herzlos

Wie in meinem letzten Blogeintrag bereits erwähnt, ist es an der Zeit endlich mal wieder eine Frau „Vagabund“ an meiner Seite zu sehen. Nur… wie lernt man nette Mädels kennen? In meiner annähernd jungfräulichen Unbeholfenheit probiere ich all das, was man aus Filmen so kennt. Auf eine Party gehen, ein Konzert besuchen, diverse sportliche Aktivitäten (bin ein Boulderfan geworden) und natürlich online Datingplattformen. Bei den ersten drei genannten sehe ich zwar Frauen auf Armlängendistanz, sah mich aber mit dem nächsten Problem konfrontiert: Was jetzt? 
Ich dachte mir „reden“ ist einmal ein guter Anfang. Blöderweise bin ich ein wirklich grottenschlechter Konversationseröffner. Wie heißts so schön? Aus Fehlern lernt man. „Heast Oide, bist a so zua wia i?“ hat es jedenfalls nicht in die Top 10 geschafft.

Online Dating. Heutzutage muss man sich ja erstmal „matchen“ bevor man überhaupt schreiben kann. Viele wissen jetzt schon wovon ich rede. Richtig, Tinder. Als Suchender habe ich mir ein Monatsabo gegönnt. Hart erarbeitete 20 Euro, denn als freier Texter verdiene ich im Internet etwa einen Euro pro Stunde mit Contenterstellung für diverse Websites und online Shops.

Wie sich herausgestellt hat, mag zwar ich Frauen, aber Frauen mögen offenbar mich nicht. Nachdem ich mir seit fast zwei Wochen die Finger wundgeswiped habe, bin ich noch immer matchlos. Auf Websingles kann ich mich nicht einloggen, denn mein Account wurde gesperrt und der Admin ist scheinbar schon in Pensi (die Website gibts ja auch schon ewig), Parship kommt mit 60 Euro im Monat nicht in Frage (60 Stunden Arbeit *lol*) und sonst kenne ich keine halbwegs seriösen Internetseiten.

Um ehrlich zu sein, geht mir die ganze Sache jetzt schon auf den Keks. Das Einzige, was mir noch einfällt wäre alleine in einer Bar zu sitzen und ein paar Drinks auszugeben. Allerdings habe ich damit in der Vergangenheit unglaublich schlechte Erfahrungen gemacht. Scheinbar gibt es viele Mädels, die sich ihr Wochenende auf diese Art und Weise regelmäßig finanzieren lassen.
Vielleicht bin ich auch einfach nur zu passiv und sollte mir paar Visitenkarten drucken lassen und die dann am Stephansplatz verteilen. Oder mal die Eier in die Hand nehmen und fremde Damen mit einem freundlichen „Hallo“ ansprechen. Auch wenn ich mir dabei unglaublich bescheuert vorkomme.
Aber wer schonmal versehentlich eine Klippe runter gesprungen ist, sollte doch auch über seinen Schatten springen können!